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Liebe "Biker" und Motorrad
Fans. Hier möchten wir Euch einen
tollen Tourbericht vorstellen, den
uns ein erfahrener Motorradtouren-Veranstalter
zur Veröffentlichung übersendet
hat. Das Copyright für die Bilder
liegt beim Webmaster Casamoto
Motorradtouren auf Gran Canaria
Und nun viel Spass beim Lesen ...
Durch die Bergwelt
des Nordwestens von Gran Canaria
Ein
Ritt durch die landschaftliche Vielseitigkeit
Gran Canarias Binnen weniger
Stunden und im Austausch einiger weniger
Euro kann man mit Andreas die vielen
Gesichter der Insel und das Lebens
abseits vom Alltag in Las Palmas und
des Massentourismus im Süden
der Insel kennenlernen: vom Fischerdorf
Agaete aus geht’s vorbei an
Steilküsten, frucht-baren Tälern,
einsamen Stränden, Bananen- und
Tomatenplantagen, Aussichts- punkten,
Restaurants mit einheimischer und
leistbarer Kost, den blauen Felsen
von "Azulejos", endlosen
Pinienwäldern, Stauseen, fast
2000 Meter hohen Bergen wie dem Roque
Bentaiga und Roque Nublo, einsamen
Bergdörfern und fruchtbaren,
oasenartigen Gärten.
Ausgangspunkt der Tour ist Agaete,
ein kleines, ursprüngliches Dörfchen
im Nordwesten der Insel, rund 25 Autominuten
von Las Palmas entfernt. Hier befindet
sich der Sitz des Motorradverleihs
Casa Moto Canarias, welcher in punkto
Preis-/Leistungs- verhältnis
ein wahrer Geheimtip unter den Motorradveranstaltern
der Insel ist. Das Abenteuer beginnt
bereits um 10h morgens, da man aufgrund
der Länge der Strecke und der
zahlreichen Sehens- würdigkeiten,
Bars und Restaurants, die auf ihrem
Weg liegen, schon einen ganzen Tag
einplanen sollte .
Wir verlassen Agaete über die
Landstrasse GC-200 in Richtung San
Nicolás und gleich beginnt
der steile und kurvige Aufstieg zur
unter Motorrad-experten weltweit als
"Anden-Verde" bekannten
Strecke. Andreas als ortskundiger
"Guide" (er lebt bereits
seit 6 Jahren auf Gran Canaria) ließ
sich bei der Streckenauswahl wirklich
nicht lumpen.
Das Auge verläßt immer
wieder den Blick auf die Straße,
denn was sich links und rechts von
ihr abspielt ist ein adrenalingeladener
Augenschmauß.

Diese Straße wurde im wahrsten
Sinne des Wortes in den Felsen der
bis zu 800 Meter hohen Steilküste
gesprengt, welche zu unserer Rechten
senkrecht zum Meer abfällt. Zu
unserer Linken erheben sich von Höhlen
durchsetzte senkrechte Felsen- wände,
auf deren Gipfel vereinzelte Pinien
wie Monumente der Vergangenheit der
prähispanischen Zeit der Insel
stehen. Mit Leuten, die das erste
Mal diese Tour fahren, hält Andreas
das Tempo bewußt langsam, denn
er weiß, " ... dass bei
Anden Verde-Debutanten ein Teil Aufmerksamkeit
und Konzentration von der Straße
an die imposante Landschaft verloren
geht."
Adrenalinjunkies können sich
am Gott sei Dank mit einer Leitschiene
abgesicherten rechten Straßenrand
halten, und das Gefühl genießen
der 32 km langen und mit exakt 274
Kurven versüßten Strecke
"Anden Verde", förmlich
entlang zu fliegen. Unterbrochen werden
diese Steilhänge nur von wenigen
"Barrancos" (=Flußbetten),
welche aus dem Landesinneren kommende
Flüße im Laufe der Jahrtausende
in den Felsen gerissen haben. Die
erste Möglichkeit mit dem Motorrad
in eines dieser Täler abzubiegen,
bietet der Barranco Guayedra. Richtung
Westen kann man von hier aus einen
ersten, atemberaubenden Blick entlang
der Steilküste werfen.

Richtung Osten blickt man auf den
Hafenort Puerto de las Nieves, vor
dessen Toren sich einst der welt-
weit bekannte, wie ein Finger in Richtung
Himmel ragende Felsen "Dedo de
Dios" (=Finger Gottes) befand.
Vor ein paar Jahren wurde dieser steinerne
Finger aber von einem gotteslästernden
Sturm gebrochen und seitdem ist der
Ort seiner größten Sehenswürdigkeit
beraubt. Am Ende des Barrancos befinden
sich menschenleere, schwarze Sandstrände.
Ein wahrer Geheimtip. Doch um die
Strecke an einem Tag zu schaffen,
müssen wir leider weiter und
können uns hier kein Bad gönnen.
Die erste Pause wird im "Perdomo",
einem der zahlreichen Restaurants
und Imbissbuden, die entlang unserer
Strecke auf zahlungskräftige
Biker warten. eingelegt. Vor dieser
günstigen und einfachen Bar,
welche im Tal "Barranco Risco"
liegt, finden sich sowohl Einheimische
als auch ausländische Motorradfahrer
ein, um die imposanten Eindrücke,
die sie zuvor an der Steilküste
erlebten, mit leuchtenden Augen auszutauschen.
Wer Zeit hat, kann direkt an der Bar
in das Flußbett einbiegen und
der staubigen Straße bis zur
Playa Risco folgen.
Von hier aus steigt die Straße
vom Meeresspiegel wieder über
dutzende Kurven steil an bis man sich
binnen weniger Minuten plötzlich
wieder auf einer Seehöhe von
600 Metern befindet. Schön langsam
gewöhnt man sich an die endlosen,
engen Kurven und beginnt diese zu
genießen. Der Griff um den Lenker
wird lockerer und man getraut sich
mit der Zeit immer schräger in
den Kurven zu liegen. Angesichts der
endlosen Kurven besteht fast die Gefahr
in einen meditativen Zustand zu verfallen,
was man aber aufgrund der schwierigen
Strecke und der ablenkenden, wunderschön-schaurigen
Landschaft besser vermeiden sollte.
Die Straße ist eng und es gibt
nur wenige Möglichkeiten anzuhalten.
Andreas kennt die beste Plätze,
um den schwindelerrengenden Ausblick
entlang der Steilküste zu genießen
und so kann man sicher gehen, daß
man auch als Ortsunkundiger nichts
versäumt. Der spektakulärste
Aussichtspunkt ist wohl der Mirador
del Balcon, welcher sich kurz vor
der Abfahrt ins Tal "Barranco
de la Aldea" befindet. Hier liegt
bereits die nächste Labestation,
an der vor allem Flüssigkeiten
nachgetankt werden können.

Hier verlassen wir die Steilküste
und fahren in das Tal von San Nicolás
ein, welches von hier oben aussieht,
als wären in in ihm riesige,
weiße Raumschiffe gelandet.
Die Raumschiffe stellen sich jedoch
10 Minuten später als fast endlose
Tomaten- und Bananenplantagen heraus,
die fast das gesamte Tal bedecken.

In San Nicolás hätte
man die Möglichkeit, einen Abstecher
an den wunderschönen Steinstrand
des Hafens zu machen. Hier gibt es
auch unzählige Steingriller,
Bänke und Tische die in einem
Pinienwalt direkt am Strand gelegen,
zum Pausieren einladen. Wir müssen
jedoch weiter, denn es liegt noch
viel vor uns ...

Von San Nicolás gehts wieder
steil ansteigend über die GC-200
weiter bis zum nächsten Aussichts-
punkt namens Mirador del Tasartico
auf 642 Metern Höhe. Die Blicke
über das Tal von San Nicolás
auf der einen Seite, und den Barranco
de Mogán auf der anderen, lassen
Augen und Mund wieder einige Minuten
offen stehen. Der Parkplatz und die
Imbisstation des Aussichtspunkts sind
beliebter Treffpunkt ganzer "Biker-Horden",
die sich hier sammeln um teilweise
leider richtige Rennen in Richtung
Mogán zu starten. Man muß
vor allem an den Wochenenden damit
rechnen, daß so ein Wahnsinniger
in selbstmörderische Schräglage
um eine unüber- sichtliche Kurve
schnalzt. Am besten sich immer ganz
rechts halten und für diese wenigen
Ausgeflippten mitdenken.
Wir verlassen den Aussichtspunkt
und nun geht’s runter in den
Barranco de Mogan, noch immer entlang
der GC 200 und vorbei an den blau
schimmernden Felsen namens "Azulejos".
Mittlerweile sind ist es 13h30 - wir
sind bereits mehr als 3 Stunden unterwegs
und der Magen beginnt so laut zu knurren,
daß er beinahe die Motorgeräusche
zu übertönt. Als Andreas
von unseren Hungersnöten Wind
bekommt, gehts nach wenigen Minuten
in das wirklich empfehlenswerte Restaurant
"Las Canadas", von dem aus
man einen wunderschönen Blick
über den Barranco de Moya werfen
kann. Neben dem guten Essen (empfehlens-wert
die Fleischgerichte) zu moderaten
Preisen bietet dieses Restaurant auch
noch ein kleines landwirtschaftliches
Museum und einen mit Leguanen, Eidechsen
und Schildkröten besetzten Mini-Zoo.
Mit vollen Mägen gehts weiter.
Nach nur wenigen Minuten verlassen
wir die GC 200, die uns bis jetzt
so treue Dienste geleistet hat und
biegen in die enge, sich jedoch in
gutem Zustand befindende GC-601 ein,
welche wieder mal steil aufsteigend
in den Nationalpark und zu den sich
dort in inmitten von endlosen Kiefernwäldern
befindlichen Stauseen, führt.
Die Landschaft wird zunehmend "grüner"
bis man sich plötzlich in einem
dichten und immerhin rund 900 Meter
hoch gelegenen Pinienwald wiederfindet.
Ein weitere Höhenpunkt ist der
Halt zwischen den beiden Stauseen
Presa del Mulato und Cueva de los
Ninos. Am zweiteren führt die
Straße direkt vorbei und wer
Zeit, Lust und Hunger hat, kann hier
sein Steak auf die der Öffentlichkeit
zur Verfügung gestellten Steingriller
werfen. Österreicher können
sich an diesem Ort schnell an einen
Alpensee ihrer Heimat versetzt fühlen.
Da wir aber keine Lust auf Heimweh
haben, geht’s schur-stracks
weiter in Richtung nächstem Höhenpunkt:
Hierbei handelt es sich um das auf
einer Seehöhe von 1600 Metern
gelegene Bergdorf Ayacata am Fuß
des Wahrzeichens der Insel, dem 1900
Meter hohem Roque Nublo (=der Wolkenfelsen).
Dieses unendlich wirkende, zerfurchte
Bergland entzieht in seiner Schönheit
fast jeder Beschreibung. In dieser
abgeschiedenen Idylle hängt zuerst
wie ein Fatamorgana wirkend, das eine
oder andere Bergdorf in den Felsen.
Auf unserer Tour passieren wir mit
Tejeda, dem bereits erwähnten
Ayacata und Artenara, dem höchst
gelegenen Dorf der Insel (1468 Meter)
, nur einige wenige der vielen, abgelegenen
Bergdörfer dieser Gegend.
Von Artenara aus genießen wir
den traumhaften und fast irrealistisch
schönen Blick über die sich
im Licht des Sonnenuntergangs entzündenden
Farbtöne der zackigen und wilden
Landschaft aus braun-schwarzem Lavagestein.
Der Extrapulli, der bis jetzt im Gepäckkoffer
ein sinnloses Dasein führte,
wird übergestreift, denn hier
oben kann es (für kanarische
Verhältnisse) richtig frisch
werden.

Im rötlichen Abendlicht geht
es nun durch sanfteres und fruchtbares
Gelände auf unsere letzte Etappe
in Richtung unseres Ausgangsortes
Agaete. Mitterweile, nach mehr als
5h Fahrt voller unvergesslicher Eindrücke,
ist man mit dem Motorrad fast verschmolzen
und beginng das Gerät vor allem
in den Kurven immer besser zu beherrschen.
Während die Sonne wie ein roter
Feuerball im Atlantik versinkt neigt
sich diese traumhafte Tour leider
ihrem Ende zu.
Was bleibt ist ein großes
Glücksgefühl und die Zufriedenheit,
einen wirklich besonderen Tag erlebt
zu haben, den man sicher nie vergessen
wird.
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